Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: eine Einführung



Chronisch entzündliche Darmerkrankungen beinhalten die beiden Hauptkrankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Sie treten in Nordeuropa und Nordamerika deutlich häufiger auf als in anderen Regionen der Welt und können neben dem Gastrointestinaltrakt prinzipiell alle Organsysteme betreffen. Solche extraintestinalen Manifestationen treten in rund einem Drittel aller Patientinnen und Patienten auf. Die Entstehung dieser immunvermittelten Krankheiten ist weiterhin nicht abschliessend geklärt, die Ursachen sind aber sicherlich multifaktoriell bedingt. Die klinische Präsentation umfasst abdominale Schmerzen, Diarrhoe, die auch blutig oder schleimig sein kann, und Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Anämie und Leistungsschwäche.

Die Therapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen besteht in erster Linie aus Medikamenten, die als reine Entzündungshemmer wirken können, oder ganz spezifisch, z.B. als monoklonale Antikörper, selektiv Immunmechanismen blockieren oder gezielt Entzündungsmediatoren binden können. In den letzten Jahren sind viele neue Produkte zur Marktreife gelangt und es ist nicht einfach, hier den Überblick zu behalten. Besonders der Behandlung von vulnerablen Patientengruppen, von Schwangeren oder auch älteren Personen, wird vermehrt Beachtung geschenkt und das Verständnis über Wirkungen und Nebenwirkungen des therapeutischen Arsenals hat sich gewandelt. Zusätzlich stehen in der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auch chirurgische Optionen zur Verfügung, die bei isoliertem ileozökalem Befall bei Morbus Crohn den medikamentösen Optionen ebenbürtig sind und im Falle der Colitis ulcersoa sogar eine Heilung der Erkrankung erreichen können. Der Stellenwert der Endoskopie beschränkt sich nicht nur auf die Entnahme von Biopsien zur Diagnostik, sondern beinhaltet neben regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen aufgrund des erhöhten Risikos für Kolonkarzinome auch die Behandlung von Komplikationen, z.B. bei Strikturen.

Nicht zuletzt werden auch die Eosinophile Ösophagitis und Eosinophile Gastrointestinale Erkrankungen zunehmend als entzündliche Darmkrankheiten wahrgenommen und besser verstanden, sowohl diagnostisch als auch therapeutisch. Neben neuen Erkenntnissen zur diätetischen Behandlung dieser Erkrankungen stehen auch neue Medikamente aus der Gruppe der Biologika zur Verfügung.

In dieser Ausgabe der Therapeutischen Umschau fassen verschiedene Übersichtsartikeln die neusten Entwicklungen zusammen und geben einen Überblick über die Abklärung und die Behandlung der verschiedenen Krankheitsbilder.

Ich wünsche Ihnen beim Lesen dieser spannenden Beiträge viel Vergnügen und hoffe, dass sie Ihnen in Ihrer täglichen Arbeit weiterhelfen, Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes optimal zu beraten und die richtigen Massnahmen einzuleiten.

PD Dr Emanuel Burri

Gastroenterologie und Hepatologie
Medizinische Universitätsklinik Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26, 4410 Liestal

emanuel.burri@ksbl.ch

Therapeutische Umschau

  • Vol. 80
  • Ausgabe 9
  • Dezember 2023