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Vitamin K2 reduziert die Häufigkeit nächtlicher Waden­krämpfe bei älteren Menschen

  • Vitamin K2 reduziert die Häufigkeit nächtlicher Waden­krämpfe bei älteren Menschen


Hintergrund

Etwa die Hälfte der vorwiegend älteren Menschen haben gelegentlich nächtliche Wadenkrämpfe. Bei einigen treten die Krämpfe häufig auf, und diese Menschen suchen medizinische Hilfe. Empfohlen wird oft Magnesium oder Kalzium-Kanal-Blocker, wobei die Wirksamkeit fraglich ist. Wegen schweren Nebenwirkungen wird Quinin nicht mehr empfohlen.

In einer Studie bei Dialysepatienten zeigte sich, dass Vitamin K2 (rezeptfrei erhältlich) wirksam ist und im Vergleich zu Plazebo deutlich weniger Wadenkrämpfe auftraten. Wenn Wadenkrämpfe auftraten, dauerten sie weniger lang.
In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von Vitamin K2 bei Nichtdialysepatienten untersucht.

Einschlusskriterien

– Personen älter als 65 Jahre mit zwei oder mehr Episoden von nächtlichen Wadenkrämpfen in den vergangenen zwei Wochen

Ausschlusskriterien

– Personen mit Wadenkrämpfen aufgrund metabolischer Krankheiten (z. B. Hypothyreose, Hypoglykämien, Hämodialyse) und von Neuropathien (z. B. Alkoholismus, Parkinson, amyotrophe Lateralsklerose)
– Einnahme von Diuretika oder Vitamin-K-Antagonisten
– Hämodialyse

Studiendesign und Methode

Multizentrische, verblindete, randomisierte Studie

Studienort

In verschiedenen Spitälern einer chinesischen Provinz wurde Werbung für die Teilnahme an der Studie gemacht.

Interventionen

– Gruppe 1: Vitamin K2 (Menaquinon) 180 μg/Tag für acht Wochen
– Gruppe 2: Plazebopräparat für acht Wochen

Outcomes

Primärer Outcome
– Mittlere Anzahl nächtlicher Wadenkrämpfe pro Woche

Sekundäre Outcomes
– Dauer der Wadenkrämpfe in Minuten
– Schweregrad der Wadenkrämpfe auf einer Skala von 1 bis 10

Resultat

– 310 Personen wurden für die Eignung, an der Studie teilzunehmen, untersucht, 199 wurden randomisiert (weniger als zwei Wadenkrämpfe war der häufigste Grund, Personen nicht einzuschliessen); das mittlere Alter lag bei 72 Jahren, 54 % waren Frauen, 70 % hatten eine Hypertonie und knapp 50 % einen Diabetes.
– In den zwei Wochen vor Einschluss in die Studie lag die mittlere Frequenz von nächtlichen Wadenkrämpfen bei 2.6/Woche in der Vitamin-K2-Gruppe und bei 2.71/Woche in der Plazebogruppe.
– Mittlere Häufigkeit von nächtlichen Wadenkrämpfen während der Studie: 0.96/Woche in der Vitamin-K2-Gruppe und 3.63/Woche in der Plazebogruppe. Statistisch signifikanter Unterschied.
– Die mittlere Dauer der Krämpfe als auch der Schweregrad wurden von Vitamin K2 positiv beeinflusst.
– Nebenwirkungen wurden keine registriert.

Prof. em. Dr. med. Johann Steurer

Zürichbergstrasse 7
8032 Zürich

johann.steurer@usz.ch

Der Autor hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

Tan J et al. Vitamin K2 in managing nocturnal leg cramps. A randomized clinical trial. JAMA Intern Med. Doi:10.1001/jamainternmed. 2024.5726.