Wandertipp

Ein Katzensprung zum Piz Darlux und ein Rundgang um den Lai da Palpuogna

Schneeschuhwandern in Bravuogn/Bergün

Wie jedes Jahr gönnen wir uns zum Ende des Winters ein verlängertes Wochenende in den Bergen, um noch einmal so richtig den Schnee geniessen zu können – dieses Mal in Bravuogn / Bergün. Am ersten Tag stimmen wir uns mit Rodeln auf der Albula-Passstrasse zwischen Preda und Bravuogn in das Schneeerlebnis ein.



Wie jedes Jahr gönnen wir uns zum Ende des Winters ein verlängertes Wochenende in den Bergen, um noch einmal so richtig den Schnee geniessen zu können – dieses Mal in Bravuogn / Bergün. Am ersten Tag stimmen wir uns mit Rodeln auf der Albula-Passstrasse zwischen Preda und Bravuogn in das Schneeerlebnis ein.
Am zweiten Tag lassen wir uns bei herrlichem Sonnenschein mit der Sesselbahn nach Pros da Darlux und weiter bis zur Alp Darlux hinauftragen. Unsere Rodel haben wir selbstverständlich wieder dabei, lassen diese aber in der Mittelstation für die spätere Talfahrt zurück. In der Schneebar gönnen wir uns zuerst einen heissen Milchkaffee, bevor wir den Katzensprung auf den Piz Darlux unter die Schneeschuhe nehmen. Das erste Stück des Trails verläuft entlang der Skipiste über den breiten Westgrat bis zum Fuss des Gipfelaufschwungs und einem einsam aus dem Schnee ragenden Drehkreuz des Sommerwanderwegs. Hier verlassen wir die Piste und folgen weiter dem Grat bis zum Gipfel. Eine herrliche Rundsicht erwartet uns, die vom Piz Kesch über Piz Üertsch und Piz Ot bis zum Piz Ela und der Corn da Tinizong jenseits des Albulatals reicht (Abb. 1). Gegen Norden schweift der Blick über das Gebiet der Lenzerheide und das Safiental bis hin zur nördlichen Krete des Vorderrheintals. Zu unseren Füssen liegen die immer noch tief verschneiten steilen Hänge der Val Tuors und Val Tisch. Wir können uns nicht satt sehen und wären wohl noch lange geblieben, hätte uns nicht ein eisiger Nordwind vertrieben.


Auf der gleichen Route kehren wir zur Bergstation der Alp Darlux zurück, wo wir nochmals einkehren, bevor wir auf dem Winterwanderweg gegen Osten zur Talstation des einzigen Skilifts absteigen. Dort wendet sich der Weg gegen Westen und umrundet den Bergrücken bis zu den Gebäuden der Alp Darlux. Von hier aus sind es nur noch drei Kehren bis zur Mittelstation von Pros da Darlux. Den Rucksack mit Schneeschuhen und Stöcken können wir der Sesselbahn übergeben und so unbehindert die Fahrt mit dem Rodel ins Tal hinunter geniessen. Diese Schlittelpiste ist gegenüber der Passstrasse deutlich schneller, sodass die rund 600 Höhenmeter bis zur Talstation von Sagliaz in Windeseile zurückgelegt sind. Die Strecke ist gut gesichert, erfordert aber trotzdem mehr Geschick, besonders in den engen Kurven.
Den dritten Tag lassen wir bei leichtem Schneefall ruhiger angehen. Mit der Rhätischen Bahn fahren wir nach Preda und beginnen dort talaufwärts unsere Rundwanderung mit den Schneeschuhen entlang der Albula-Passstrasse. In der ersten Haarnadelkurve zweigt der Trail gegen Südwesten zu den Häusern von Palpuogna ab. Mit einem Schlenker nach Osten erreichen wir schliesslich die gleichnamige Crestas und später wieder die Passstrasse (Abb. 2). Auf dieser gehen wir weiter bis zur Alp Crap Alv, wo wir die Alvra auf der Strassenbrücke überschreiten können. Am gegenüberliegenden Ufer folgen wir der Trasse des Sommerwanderwegs über den Moränenrücken am Fuss des Crap Alv zum Lai da Palpuogna hinunter. Der See liegt zu dieser Jahreszeit noch unter einer dicken Eis- und Schneedecke verborgen. Entlang des Südufers erreichen wir das Stauwehr mit dem alten Kraftwerk, das bereits über hundert Jahre Strom für das Tal produziert. Über die zweite kleine Holzbrücke kehren wir ans Nordufer der Alvra zurück und erreichen durch den God Lavizun wieder den Ausgangspunkt unserer kleinen, im Nebel und Schneetreiben mystischen Rundwanderung. Bei dem Hudelwetter lassen wir uns das herrlich mundende Fondue im Hotel Preda Kulm nicht entgehen, bevor wir mit dem Zug wieder nach Bravuogn zurückkehren.


Am letzten Tag steigen wir von Latsch zur Cuolm da Latsch auf. Wir verlassen das Dorf an dessen Nordrand gegen Osten und folgen den weiten Kehren der Forststrasse durch den God dla Spena und über die Lichtung von Pro d’Men bis zur kleinen Hangschulter von Schux hinauf. Hier endet kurz vor den Felsabbrüchen der Crippels da Blanchas die Forststrasse und beginnt der stotzige Alpweg, über den wir mit einem kurzen Schlag nach Osten die Tranter Funtanas mit ihrer Wasserfassung erreichen. In nördlicher Richtung ist es nun nicht mehr weit bis zur Alphütte, ein herrlicher Ort um windgeschützt zu rasten. Während uns im Aufstieg ein grosses Rudel Gämsen ausweicht, kreist auf auf der Alp die längste Zeit ein Adlerpaar über uns. Über deutlich flachere Hänge gewinnen wir schliesslich die Cuolm da Latsch, wo sich der atemberaubende Rundblick endgültig öffnet (Abb. 3).


Für den Abstieg wenden wir uns der südlicheren Rippe des Gratrückens im Westen zu, über welchen wir in den Wald von Chivierg oberhalb von Stugl / Stuls gelangen. Beim Geländepunkt 1990 Meter beginnt ein Forstweg Richtung Süden, an dessen erster Haarnadelkurve vorerst steil talwärts ein schmaler Pfad abzweigt, der in einen weiteren breiten Forstweg mündet. Dieser führt uns mit sanftem Gefälle über die Waldlichtung von Flex nach Latsch zurück (Abb. 4). Unser Wunsch nach einem letzten Wintererlebnis in diesem Jahr ist uns mehr als in Erfüllung gegangen. Unvergesslich wird uns das strahlende Licht über den verschneiten Bergen und das wilde Treiben der Schneeflocken in den Wäldern am Lai da Palpuogna in Erinnerung bleiben.

Prof. Dr. med. dent. Christian E. Besimo

Riedstrasse 9
6430 Schwyz

christian.besimo@bluewin.ch

der informierte @rzt

  • Vol. 11
  • Ausgabe 1
  • Januar 2021