Die Medien sind voll von Artikeln zur AI. Man könnte meinen, neben der Gender- und Woke-Debatte drehe sich (fast) die ganze Welt nur noch um AI. Dabei ist es schwer zu sagen, mit welcher Geschwindigkeit echte AI in unserem Alltag Einzug hält. Was Chat-GPT bei meinen bisherigen Selbstversuchen an Resultaten geboten hat, hat mich wenig beeindruckt. Auch Bing nicht, die angeblich AI unterstützte Suchmaschine von Microsoft. Natürlich, kann man sagen, das sei erst der Beginn. Aber wie schnell geht das vorwärts?
Vor wenigen Jahren hat Elon Musk das autonome Autofahren angekündigt. Nach seinen damaligen vollmundigen Ankündigungen müssten wir schon längst mit seinen Teslas freihändig fahren können. Heute ist der Einsatz von autonom fahrenden Autos im Alltag weiterhin nicht absehbar.
Was heisst das für uns? Nun, dass AI mit enormen Fähigkeiten kommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur wie schnell sie sich entwickelt, ist keineswegs klar. Auch wir in der Frauenheilkunde sind von der AI betroffen. Darum müssen wir alle in unserem Arztberuf – wie wir es gewohnt sind – flexibel bleiben, so wie es Darwin schon geschrieben hat. Vielleicht ist es keine gute Idee jetzt Radiologe oder Pathologin im heutigen Sinne zu werden? Auch in der Frauenheilkunde könnten diverse Bereiche der AI zum Opfer fallen, gerade auch operative Tätigkeiten, nämlich wenn bildgebende Verfahren und die sich rasant entwickelnde Robotik miteinander kombiniert werden. Natürlich beträfe das zuerst die einfachen Eingriffe. Aber mit der weiteren Entwicklung der Methode kämen dann nach und nach auch komplexere Operationen an die Reihe. Allenfalls wäre das eine Hilfestellung, um dem zunehmend ernsthaften Mangel an Frauenärztinnen und Gynäkologen entgegenzutreten. Was aber, wenn die AI uns weitgehend ersetzen kann? Nun, überall wo Empathie und Zuwendung gefragt sind, wird uns die AI – wenn überhaupt! – nicht so einfach ablösen können. Wer sich beruflich in diese Richtung entwickelt, wird AI als unterstützende Bereicherung erleben und entspannt in die Zukunft schauen können. In diesem Sinne freue ich mich auf die Segnungen der zukünftigen künstlichen Intelligenz.
Prof. Dr. med. Bruno Imthurn
Senior Consultant Kinderwunschzentrum
360° Zürich
bruno.imthurn@uzh.ch