- Editorial Prof. Ursula von Mandach
Evidenz und Erfahrung reichen sich die Hand, wenn es darum geht, Schwangere und Kinder medikamentös sicher zu therapieren.
Wie geht das praktisch? Harmonisierte Empfehlungen inkl. klaren Dosierungen sind das Stichwort. Dabei ist die Bedeutung des Wortes harmonisieren (nach Duden) zu beachten:
1. Verbinden im Sinne von sammeln, zusammenfügen
2. Vereinfachen
3. Koordinieren
4. Abstimmen im Sinne von abgleichen, in Einklang bringen, anpassen.
5. Vereinheitlichen
Grundsätzlich gilt es also, die fünf miteinander verwandten, aber letztlich doch unterschiedlichen Prozesse durchzuführen, um Empfehlungen für Medikamente so auszuarbeiten, dass das Nutzen/Risiko Verhältnis klar beim Nutzen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit liegt.
Die Pädiatrie hat dank einer Änderung im Heilmittelgesetz (HMG) den Harmonisierungsprozess ihrer Medikamente bereits vor Jahren durch den Bund mit dessen finanzieller Unterstützung initiieren lassen. Die Harmonisierung ist als «ongoing»-Prozess zu verstehen, die Daten liegen in einer Datenbank (Swisspeddose) vor. Eine IT-Anwendung zur praktischen Anwendung der Daten (z.B. patientenindividuelle Dosierung) ist käuflich erhältlich.
Innerhalb der aktuellen gesetzlichen Situation erlaubt Art. 67 a des HMG eine Ausdehnung der Anwendungen in der Pädiatrie auf andere vulnerable Gruppen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass Schwangere und Stillende den Kindern in ihrem Lebenszyklus nicht nur direkt vorangehen, sondern sich mit ihnen auch klar überschneiden, ist es überfällig, dieser Population dieselbe Aufmerksamkeit zu erteilen wie den Kindern. Für den praktischen Alltag im Vordergrund stünden dabei evidenzbasierte, harmonisierte Empfehlungen zu Präparaten und Dosierungen, welche die aktuelle Situation in der Schweiz abbilden und für Fachpersonen gleichermassen wie für Patientinnen leicht zugänglich und verständlich sind. Dieser Aufgabe hat sich die interprofessionell arbeitende Schweizerische Akademie für Perinalate Pharmakologie (SAPP) selbständig angenommen, indem sie sich für eine bessere und gut verständliche Information einsetzt und diese zurzeit auch auf einer finanziell nicht vom Bund getragenen Basis zur Verfügung stellt. So wurden u.a. Wirkstoffmonographien, Therapieempfehlungen und ein Verzeichnis mit Indikationen und Dosierungen der national in der Geburtshilfe häufig verwendeten Medikamente geschaffen (abrufbar im AmiKo-Fachkompendium https://amiko.oddb.org/de/fulltext?keyword=SAPP&key=sapp). Diese Informationen bieten die Grundlage für eine offiziell zugängliche und vom Bund unterstützte Datenbank.
Gerne möchten wir die bestehende Situation einem breiten Publikum näherbringen. Besuchen Sie daher am 2.11.23 unsere interdisziplinäre Tagung inkl. Roundtable von Politik und Behörden zum Thema: «Wenn Schwangere und ihre Kinder Medikamente benötigen – Hotspots». Sehen Sie, wo sich die beiden Populationen begegnen und wo sie individuell verschieden sind. Unterstützen Sie unsere Bemühungen, BEIDEN Populationen bei der Arzneimitteltherapie die Sicherheit zu verleihen, die sie benötigen und verdienen.
Ich bedanke mich für Ihr Interesse.
Prof. Dr. pharm. Ursula von Mandach