Im Fokus

Stand der Technik der Glykosa­minoglykan-Therapie bei der Behandlung von Harnwegsinfektionen und

Einhaltung der Leitlinien der Europäischen ­Gesellschaft für Urologie



Harnwegsinfektionen (UTIs) sind bakterielle Infektionen der Blase und der damit verbundenen Strukturen (1). Klinisch werden Harnwegsinfektionen als unkompliziert oder kompliziert klassifiziert. Unkomplizierte Harnwegsinfektionen, unterschieden in untere (Zystitis) und obere (Pyelonephritis), betreffen in der Regel gesunde Personen ohne strukturelle oder neurologische Anomalien des Harntrakts. Die häufigsten Risikofaktoren sind Geschlechtsverkehr, die Verwendung von Spermiziden, ein neuer Sexualpartner, eine Mutter mit einer Vorgeschichte von Harnwegsinfekten, Harnwegsinfekte in der Kindheit, und die Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie (2). Frauen sind aufgrund der Lage der Harnröhre, die eine bakterielle Besiedlung begünstigt, am stärksten betroffen. Komplizierte Harnwegsinfektionen stehen in Zusammenhang mit Faktoren wie Harnwegsobstruktion, Harnverhalt durch neurologische Erkrankungen, Immunsuppression, Nierenversagen, Nierentransplantation, Schwangerschaft und das Vorhandensein von Fremdkörpern wie Steinen, Kathetern oder anderen Drainagevorrichtungen. Unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfektionen werden am häufigsten durch uropathogene Escherichia coli verursacht (3).Harnwegsinfektionen (HWI) haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten und die Gesellschaft.

Die Antibiotikatherapie ist der primäre Ansatz für die Behandlung von Harnwegsinfektionen; sie stösst jedoch bei der Vorbeugung von rezidivierenden Harnwegsinfektionen (rUTIs) an ihre Grenzen und erhöht zudem das Risiko der Entwicklung multiresistenter Mikroorganismen. Ein narrativer Überblick und Bericht über ein Expertentreffen befasste sich mit der Adhärenz zu den internationalen Leitlinien und der Glykosaminoglykan-Behandlung von Harnwegsinfektionen (4).

Das Ziel dieses Artikels war es, die Leitlinien der European Association of Urology für die Behandlung von Harnwegsinfektionen/rUTIs, den Grad der Einhaltung dieser Empfehlungen und die verfügbare Evidenz zur Verwendung von Glykosaminoglykanen (GAGs) als mögliche alternative Behandlung zur Prävention von rUTIs zu diskutieren.

Evidenzerhebung

Dieser narrative Review und Expertenbericht basiert auf einer Literaturrecherche zu den derzeit verfügbaren UTI-Leitlinien, den Ergebnissen einer Umfrage unter 227 Urologen und der Meinung eines Expertengremiums auf dem Gebiet der UTIs.

Zusammenfassung der Evidenz

Die Ergebnisse der Literaturrecherche zeigen, dass die Einhaltung der Leitlinien generell nicht optimal ist. Die Umfrage zeigte, dass Antibiotika nach wie vor eine der Behandlungsmöglichkeiten für ­Harnwegsinfektionen sind. Die meisten Urologen sind sich jedoch des Problems der Antibiotikaresistenz bewusst und bevorzugen alternative Methoden zur Prophylaxe von Harnwegsinfektionen. In Anbetracht der alternativen Methoden kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die GAG-Therapie bei der Vorbeugung von rUTIs sehr wirksam ist.

Schlussfolgerungen

Die Einhaltung der internationalen Leitlinien ist wichtig, um die klinische Praxis anzupassen und die Ausbreitung der Antibiotikaresistenz zu verhindern. Die Umfrage zeigt auf, dass der Missbrauch und die Überdosierung von Antibiotika ein grosses Problem darstellen; eine Analyse der klinischen Daten bestätigt, dass die GAG-Therapie ein wertvoller therapeutischer Ansatz ist, um das Wiederauftreten von Harnwegsinfektionen zu verhindern und das Auftreten von Antibiotika­resistenzen zu ­begrenzen.

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

1. Bono MJ, Reygaert WC. Urinary tract infection. Treasure Island, FL: StatPearls Publishing LLC; 2021.
2. Cai T. Recurrent uncomplicated urinary tract infections: definitions and risk factors. GMS Infect Dis 2021;9:Doc03.
3. Geerlings SE. Clinical presentations and epidemiology of urinary tract infections. Microbiol Spectr 2016;4.
4. Bonkat G et al. Adherence to European Association of Urology Guidelines and State of the Art of Glycosaminoglycan Therapy for the Management of Urinary Tract Infections: A Narrative Review and Expert Meeting Report Eur Urol Open Science 2022; 44: 37–45.

info@gynäkologie

  • Vol. 14
  • Ausgabe 3
  • Juni 2024