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KPGG Kongress Näfels 2023

Medikamentöse Behandlung von Wechseljahrbeschwerden

Zur medikamentösen Behandlung von Wechseljahrbeschwerden sprach Frau Dr. med. univ. Lena Grubhofer, Reproduktionsendokrinologie, USZ. Die Referentin präsentierte zunächst Daten zur Effektivität bezüglich Reduktion der Frequenz von Hitzewallungen und zur Wahrscheinlichkeit für einen Therapieabbruch verschiedener Interventionen im Vergleich zu Placebo für Frauen mit Uterus bei vasomotorischen peri- und postmenopausalen Symptomen (das Leitlinienprogramm der DGGG, OEGG und SGGG 2018) (Tab. 1).



Die Hormontherapie

Frauen mit vasomotorischen Beschwerden soll eine HRT angeboten werden, nachdem sie über die kurz- (5 Jahre) und langfristigen Nutzen und Risiken informiert wurden. Für nicht hysterektomierte Frauen kommt eine Östrogen-Gestagen-Therapie (EPT) mit adäquatem Gestagenanteil, für hysterektomierte Frauen eine Oestrogenmono-Therapie (ET) in Betracht (Evidenzgrad 1a, Empfehlungsgrad A, Konsensusstärke ++) (1).
Die postmenopausalen Beschwerden können alternativ zu konventionellen Therapien mit Präparaten der Traubensilberkerze (Actaea racemosa L.) behandelt werden.

Dosierung systemischer Oestrogene

Die systemischen Oestrogene können in 4 Dosierungskategorien gegeben werden (Tab. 2).

Für die Protektion des Endometriums werden die oralen Progestogene je nach sequentiellem oder kontinuierlichem Regime verschieden dosiert (Tab. 3).

Abnahme der Libido und Testosteron-Therapie

Bei Frauen mit Libidoverlust in der Peri- und Postmenopause kann nach psychosexueller Exploration gegebenenfalls eine Testosteron-Therapie erwogen werden, wenn eine HRT nicht wirksam ist. Auf den off-label use soll hingewiesen werden (Evidenzgrad 1b, Empfehlungsgrad 0, Konsensusstärke ++) (1).

Die Dosierung des mikronisierten Testosterons auf Liposomengrundlage beträgt 3mg/hub mit Dosierspender (S3 Leitlinie Peri- und Postmenopause. – Diagnose und Interventionen.)

Die Referentin wies darauf hin, dass bezüglich des Sexualverhaltens die Patientinnen unbedingt befragt werden müssen, da diese nicht von selbst auf dieses Thema zu sprechen kommen.

Scheidentrockenheit

Zum Schluss äusserte sich die Referentin zur Scheidentrockenheit. Sie empfahl bei isolierter Scheidentrockenheit die isolierte Behandlung derselben ohne HRT.

Estriol (E3): Supp., Ovula o.o3 oder 0.5mg 1-2x wöchentlich, gegebenenfalls zusätzlich Crème äusserlich, DHEA 6.5mgintravagal täglich.

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

1. Menopause Full Guideline, methods, evidence and recommendations, Version 1.5, November 12th, 2015, National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Guideline, https://www.nice.org.uk/guidance/ng23/evidence/full-guideline-pdf-559549261)

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  • Vol. 13
  • Ausgabe 6
  • Dezember 2023