- Zwischen Krisen und Chancen: Unser Einsatz als Ärztinnen und Ärzte ist wichtiger denn je
Doch diese unbeschwerte Zeit ist vorbei. Die Kriege in Europa und im Nahen Osten der letzten Jahre sind von einer beispiellosen Brutalität. Eine schnelle Lösung dieser Konflikte scheint unerreichbar, und unser Einfluss darauf ist minimal – eine beängstigende und frustrierende Erkenntnis. Die Auswirkungen dieser Ereignisse machen sich auch bei den jüngeren Generationen bemerkbar die zunehmend unter Belastungsstörungen leidet.
Ähnlich düster ist die Lage im Schweizer Gesundheitswesen. Schlagzeilen über Ärztemangel, Spitalsschliessungen und steigende Prämien trotz strenger staatlicher Regulierung zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Auch hier scheint eine Lösung in weiter Ferne.
Unsere Einflussmöglichkeiten erscheinen begrenzt. Jammern bringt uns nicht weiter. Dennoch sollten wir uns nicht von Pessimismus lähmen lassen. Als Ärztinnen und Ärzte haben wir einen sinnvollen und erfüllenden Beruf gewählt. Lasst uns uns auf das konzentrieren, was wir am besten können: Uns um unsere Patientinnen und Patienten kümmern, und ihnen bei der Lösung ihrer gesundheitlichen Probleme zu helfen. Die übersichtlichen und sorgfältigen Artikel in diesem Heft sind uns dabei eine Hilfe!
In dieser Ausgabe beleuchten wir vier aktuelle Themen aus verschiedenen Bereichen der Gynäkologie, die Einblicke in innovative Ansätze und Leitlinien bieten. Der erste Artikel widmet sich der Betreuung von Neugeborenen direkt nach der Geburt. Neben Aspekten wie pränatalen Verlegungen in perinatale Zentren und dem Spätabnabeln wird auch das Management bei gestörter Primäradaptation ausführlich diskutiert, um Geburtshelfer/-innen in ihrer essenziellen Rolle zu unterstützen.
Der zweite Beitrag befasst sich mit der fetalen Wachstumsrestriktion und der Unterscheidung zum konstitutionell kleinen Fetus. Hier werden aktuelle Forschungsergebnisse und Empfehlungen zum Management, der Diagnostik und dem optimalen Entbindungszeitpunkt dargelegt.
Im dritten Artikel geht es um eine moderne perioperative Betreuung. Althergebrachte Untersuchungen wie routinemässiges EKG und Thorax-Röntgen werden zunehmend durch gezieltere Massnahmen wie Anämie-Therapie ersetzt, was eine effizientere und sicherere Vorbereitung der Patientinnen ermöglicht.
Schliesslich wird das bevölkerungsbasierte Mammographiescreening-Programm «donna» in der Schweiz vorgestellt. Seit seiner Einführung im Kanton St. Gallen 2010 hat es massgeblich zur Früherkennung und schonenderen Behandlung von Brustkrebs beigetragen und wird stetig weiter ausgebaut.
Wir hoffen, dass Sie die Artikel inspirieren und eine Bereicherung für Ihre klinische Praxis darstellen.
Dr. med. David Ehm
Bern
David.Ehm@hin.ch