Editorial

“What makes a good life? Lessons from the longest study of happiness”



In den vergangenen Wochen war die Zukunft unseres Rentensystems ein zentrales Thema, das politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler und die Bevölkerung gleichermassen beschäftigte. Die Bevölkerung mag über den Ausgang der AHV-Abstimmung diesen März geteilter Meinung sein, breite Übereinstimmung herrscht jedoch über die Art und Weise, wie wir Alle unseren dritten Lebensabschnitt verbringen möchten: glücklich und möglichst gesund. In den 1930er Jahren hatten Wissenschaftler unter der Leitung von George Vaillant, einem Psychiater und Professor an der Harvard Medical School, die visionäre Idee die Ingredienzien für ein glückliches, gesundes Leben zu erforschen. Damit war die «Glueck Study» geboren.

Die «Glueck Study» auch bekannt als die «Harvard Study of Adult Development», ist eine der längsten und umfassendsten Studien über das menschliche Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit. Die Studie untersuchte das Leben von 268 männlichen Harvard-Studenten aus den Klassen 1939 bis 1944 sowie von 456 benachteiligten Jugendlichen aus Boston. Die Teilnehmer wurden über insgesamt acht Jahrzehnte hinweg regelmässig untersucht, um ihre Lebensgewohnheiten, Beziehungen, Gesundheit und Lebenszufriedenheit zu verfolgen. Auf dieser Basis wurde im Alter eine Kategorisierung vorgenommen, wobei die beste Kategorie die «happy-well» und die schlechteste Kategorie die «sad-sick» darstellten. Erwartungsgemäss trugen nicht-beeinflussbare Faktoren wie der sozioökonomische Status der Eltern, eine glückliche Kindheit, die Langlebigkeit der Vorfahren und das Fehlen von depressiven Erkrankungen in der Familie wesentlich zum «happy-well» im Alter bei. Die Studie zeigte aber auch, dass die Lebenszufriedenheit nicht unbedingt von äusseren Faktoren wie Reichtum oder beruflichem Erfolg abhängt, sondern vielmehr von inneren Einstellungen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Folgenden sind die entscheidenden, beeinflussbaren Prädiktoren für ein glückliches, gesundes Leben aufgeführt.

1. Beziehungen sind entscheidend: Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie war, dass enge, unterstützende Beziehungen zu Familie, Freunden und Partnern einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden haben. Menschen, die starke soziale Bindungen hatten, waren glücklicher und gesünder im Laufe ihres Lebens.

2. Bewältigungsstrategien: Menschen, die im Laufe ihres Lebens effektive Bewältigungsstrategien entwickelten, um mit Herausforderungen und Stress umzugehen, waren besser in der Lage, ein erfülltes Leben zu führen.

3. Lebenslange Bildung: Menschen, die ihre Neugier pflegen, viel lesen und sich lebenslang neues Wissen aneignen, leben länger und glücklicher.

4. Gesunder Lebensstil: Kein Nikotin, mässig Alkohol, Vermeidung von Übergewicht, tägliche Spaziergänge / körperliche Aktivität.

Das gewissenhafte Äufnen der drei Vorsorge-Säulen und die Aussicht auf eine 13. AHV Rente garantieren also keineswegs einen sorgenfreien und zufriedenen Lebensabend. Schenken wir der «Gluecks Study» Glauben, sollten wir vielmehr lebenslang in unsere Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen investieren, denn diese sind das Fundament des menschlichen Wohlbefindens und der Lebenszufriedenheit im Alter. Da auch die lebenslange Bildung von entscheidender Bedeutung ist, wünsche ich Ihnen eine interessante Lektüre der aktuellen Ausgabe von info@herz+gefäss.

Prof. Dr. med. Otmar Pfister

Prof. Dr. med. Otmar Pfister

Otmar.pfister@usb.ch

info@herz+gefäss

  • Vol. 14
  • Ausgabe 2
  • April 2024